Was blökt denn da unter der Leitung?
Shownotes
In dieser Podcast-Folge geht es hinaus nach Brandenburg unter die Freileitung Neuenhagen – Preilack in Brandenburg. 50Hertz-Expertin Jana Schramke berichtet über ein Pilotprojekt zum Ökologischen Trassenmanagement, das sich inzwischen sehr bewährt hat.
Unter Stromtrassen passiert mehr, als man auf den ersten Blick vermutet. Wo früher oft die gesamte Vegetation entfernt und der Boden gemulcht wurde, setzt man heute auf ein deutlich klügeres Prinzip. Hinter dem ökologischen Trassenmanagement steckt die Idee, die Flächen unter Hochspannungsleitungen nicht nur von gefährlichem Baum- und Strauchbewuchs freizuhalten, sondern als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu nutzen.
Klar ist: Die Sicherheit hat oberste Priorität. Bäume dürfen nicht in die Leitungen hineinwachsen oder bei Sturm umkippen. Auch muss ein ausreichender Sicherheitsabstand zum Boden und zum Bewuchs vorhanden sein, damit es nicht zu Überschlägen kommt und Brände ausgelöst werden. Deshalb müssen diese Bereiche regelmäßig gepflegt werden. Heutzutage greift man gezielt ein. Nur das, was wirklich gefährlich werden kann – also hochwachsende Bäume – wird entfernt oder zurückgeschnitten.
Der Rest darf wachsen – allerdings auf eine „kontrollierte“ Art. Gefördert werden vor allem niedrige Sträucher, Gräser und Blumen. So entstehen strukturreiche Flächen mit viel Licht, die für viele Arten ideal sind. Unter Stromleitungen entwickeln sich dadurch oft kleine Naturparadiese mit Schmetterlingen, Heuschrecken, Bienen und vielen Vögeln.
Hier kommen die tierischen Helfer ins Spiel: Schafe, Ziegen oder auch robuste Rinder halten den Bewuchs ganz natürlich in Schach. Sie fressen junge Triebe, verhindern das Aufkommen von Bäumen und sorgen gleichzeitig dafür, dass sich Pflanzen und Samen verbreiten. Für die Tiere selbst sind die Trassen oft willkommene Weideflächen – eine klassische Win-Win-Situation.
Wo Beweidung nicht möglich ist, werden gezielt einzelne Gehölze entnommen oder es wird gemäht – allerdings nicht einfach alles auf einmal, sondern oft abschnittsweise und zu passenden Zeiten. So bleibt immer ein Rückzugsraum für Tiere erhalten.
Unterm Strich entsteht eine Landschaft, die nicht nur funktional ist, sondern auch ökologisch wertvoll: Stromtrassen verbinden heute häufig Lebensräume miteinander und werden zu grünen Korridoren quer durch die Landschaft.
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00:00:02: Strom zum Anfassen.
00:00:05: Spannende Einblicke in die Welt der Elektrizität, ein Podcast von Fünfzig Hertz.
00:00:12: Moderation Volker Gussstedt.
00:00:21: Hallo bei Strom zum anfassen und diesmal mit einer Begrüßung der besonders tierischen Art.
00:00:26: Ich bin heute nicht im Studio sondern draußen in der Natur und zwar ganz genau unter einer fünfzig Hertz Höchstspannungsleitung östlich von Berlin.
00:00:35: Das ist mitten im Wald bei Altlandsberg.
00:00:38: Hier hab ich mich verabredet mit Jana Schramke, einer Kollegin aus dem Netzbetrieb und sie ist nicht für das verantwortlich was in den Leitungen passiert also für den Transport des Stroms sondern für das was unterhalb der Leitung geschieht nämlich für die Pflege der Stromtassen.
00:00:54: Hallo Jana!
00:00:55: Hallo Volker.
00:00:55: Ja schön dass wir uns hier getroffen haben an diesem höchst Sommertag.
00:00:59: Temperatur steigt so langsam über dreißig Grad aber wir stehen ja schön im Schatten.
00:01:04: Vielleicht kannst du, bevor wir uns über das unterhalten, was hier draußen jetzt passiert ... Erst mal sagen wir's deinen Job bei Fünfzig-Herz?
00:01:11: Ja, mein Job ist die Organisation und Koordination von Ausgleichsuntersatzmaßnahmen im Netzbetrieb.
00:01:18: Nebenbei durfte ich mich aber auch mit solchen Projekten hier beschäftigen.
00:01:23: Also scharfe und ziegen streicheln!
00:01:26: Traumjob!
00:01:29: Freicheln vielleicht nicht, eher angucken.
00:01:31: Ich bin ja keine Haustiere so.
00:01:32: in dem Sinn aber durfte ich mich dafür einsetzen dass wir die Trasse hier in diesem Fall ein bisschen ökologisch wertvoller gestalten dürfen
00:01:41: und zwar eben mit Hilfe dieser Tiere die man jetzt im Hintergrund schon hört.
00:01:45: das sind scharfe überwiegend aber auch ein paar Ziegen darunter die meisten Leute bei uns bei fünfzig Herz oder Ich weiß, ob sie meisten sind.
00:01:53: Aber sehr viele haben einen elektrotechnischen Berufshintergrund.
00:01:57: Wie ist das bei dir?
00:01:58: Bist du von Berufswegen auf eine Ausbildung her?
00:02:01: Ich hab damals Ökologie- und Umweltschutz studiert mit Schwerpunkt Landschaftsplanung Naturschutz.
00:02:07: Und das hat mir natürlich hier auch geholfen.
00:02:09: Da konnte ich das ganz anders einschätzen was möglich ist.
00:02:14: Bevor wir ein bisschen ins Detail gehen ... Wo sind wir jetzt eigentlich?
00:02:18: Man sieht ja jetzt hohe Strommasten und eine ganz typische Freileitung, wenn man in die eine Richtung guckt.
00:02:25: Aber wo führt das hin?
00:02:28: zu welchem Umspannwerk?
00:02:30: Damit man es verorten kann!
00:02:32: Ja, das ist eine Dreiundachtzig-KV-Freileitung.
00:02:35: Die geht von Neunhagen nach Breilack.
00:02:38: Also ein sehr langes Stück durch Brandenburg.
00:02:43: Dreiandachtzig Kv hat schon gesagt, eine Riespannungsleitung ... Noch mal zur Orientierung zu Hause.
00:02:48: Zweihundertdreißig Volt, hier sind es dreihundertachtzig.
00:02:50: Tausend Volt.
00:02:51: deswegen Ruhemasten und auch diese Leiterseile müssen einen entsprechenden Abstand zum Boden haben.
00:02:57: Und das ist genau das Ding, worum es eben bei der Trassenpflege geht.
00:03:02: Um mich auf den heutigen Besuch vorzubereiten habe ich natürlich vorher wie immer meinen kleinen KI-Assistenten Scotty um Hilfe gebeten und er hat das hier herausgefunden
00:03:18: Unter Stromtrassen passiert mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.
00:03:22: Wo früher oft die gesamte Vegetation entfernt und der Boden gemulcht wurde, setzt man heute auf ein deutlich klügeres Prinzip.
00:03:30: Hinter dem ökologischen Trassenmanagement steckt die Idee, die Flächen unter Hochspannungslötungen nicht nur von gefährlichem Baum- und Strauchbewuchs frei zu halten, sondern als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu nutzen.
00:03:42: Klar ist, die Sicherheit hat oberste Priorität!
00:03:46: Bäume dürfen nicht in die Leitungen hineinwachsen oder bei Sturm umkippen.
00:03:50: Auch muss ein ausreichender Sicherheitsabstand zum Boden und zum Bewuchs vorhanden sein, damit es nicht zu überschlägen kommt und Brände ausgelöst werden.
00:03:59: Deshalb müssen diese Bereiche regelmäßig gepflegt werden.
00:04:03: Heutzutage greift man gezielt ein!
00:04:06: Nur das, was wirklich gefährlich werden kann also hochwachsende Bäume wird entfernt oder zurückgeschnitten.
00:04:12: Der Rest darf wachsen allerdings auf eine kontrollierte Art.
00:04:15: Gefördert werden vor allem niedrige Sträucher, Gräser und Blumen.
00:04:19: So entstehen strukturreiche Flächen mit viel Licht, die für viele Arten ideal sind.
00:04:24: Unter Stromleitungen entwickeln sich dadurch oft kleine Naturparadiese mit Schmetterlingen, Heuschrecken, Bienen und vielen Vögeln.
00:04:32: Hier kommen die tierischen Helfer ins Spiel, Schafe, Ziegen oder auch robuste Rinder halten den Bewuchs ganz natürlich in Schach.
00:04:40: Sie fressen junge Triebe verhindern das Aufkommen von Bäumen und sorgen gleichzeitig dafür, dass sich Pflanzen und Samen verbreiten.
00:04:48: Für die Tiere selbst sind die Trassen oft willkommene Weideflächen eine klassische Win-win-Situation.
00:04:54: Wo Beweidung nicht möglich ist werden gezielt einzelne Gehölze entnommen oder es wird gemäht allerdings nicht einfach alles auf einmal sondern oft abschnittsweise und zu passenden Zeiten.
00:05:05: so bleibt immer ein Rückzugsraum für Tiere erhalten
00:05:12: So wie immer bei Scotty.
00:05:13: Der ist schon relativ schlau, aber so superschlau ist er nicht.
00:05:16: Manchmal macht der auch ein paar Flüchtigkeitsfehler.
00:05:19: Er spricht hier von Mähen und Beschneiden?
00:05:21: Ist das alles korrekt gewesen, was er daraus gefunden hat?
00:05:25: Also prinzipiell schon.
00:05:27: Aber wir mähen die Flächen jetzt nicht nur, sondern wir machen ganz oft auch Einzelbaumentnahmen oder Gehölz-Rückschnitte.
00:05:35: Wir gehen ... wir versuchen, das Vermeidungsprinzip anzuwenden und dadurch eben diese Ökologie.
00:05:41: mehr in den Vordergrund zu heben.
00:05:43: Also es wird jetzt hier nicht mit der großen Sense oder mit den großen Geräten unter allen Trassen, unter allen Leitungen durchgefahren und alles platt gemacht, sondern man versucht individuell darauf Rücksicht
00:05:53: zu nehmen?
00:05:54: Genau, je nachdem was vor Ort die Situation mit sich bringt.
00:05:57: So wenn wir das noch so ein bisschen beschreibt wo wir eigentlich sind, links rum rechts ... Und links ah!
00:06:03: Der Schäfer fährt mit seinem Fahrzeug weg.
00:06:06: auch das gehört zu den typischen Geräuschen hier Wenn man sich umguckt, rechts und links der Leitung so ein typischer Brandenburger Mischwald.
00:06:16: Was sind das für Bäume?
00:06:18: Kannst du das
00:06:19: zuordnen?
00:06:20: Wir haben viel Eiche, teilweise auch Birken dazwischen.
00:06:24: Auch die brandenburgische Kiefer ist mit dabei ...
00:06:26: Aber relativ wenig hier.
00:06:29: Hier ist schon ein schöner Mischwald eigentlich.
00:06:31: Deswegen bietet es sich mit unserer Beweidungsmaßnahme super an.
00:06:36: So, jetzt gucken wir mal in die eine Richtung nach Neuenhagen.
00:06:38: Da sieht es schon alles ziemlich abgegrast aus.
00:06:41: Hier ist ne große Fläche, die die Schafe schon sozusagen abgefressen haben.
00:06:46: Aber wenn man in die andere Richtung guckt ... da kommt die Schaffe dann danach hin?
00:06:52: Was sind das hier für Sachen, die auf dieser Trasse so wachsen
00:06:57: unter
00:06:57: den Leitungen?
00:06:58: Wir führen ja dieses Projekt mittlerweile seit fünf Jahren durch und man sieht jetzt schon sehr schön, dass wir auch viele Kräuter Bereiche dazwischen haben.
00:07:07: Vorher war das ein durchgängiges Waldgebüsch mit den unterschiedlichsten ... ja, Strauch oder auch Waldbaumarten.
00:07:17: und jetzt haben wir hier eine Fläche, wo wir allerdings durch die Beweidung mehr Licht auf diese Fläche bekommen haben und jetzt die Traubenkirche sich erst mal breit macht.
00:07:28: Und wollen wir die haben?
00:07:28: Die Traubenkirche oder nicht so gerne haben?
00:07:32: Gerade diese spätklotend lühende Traubenkirsche ist ein Neofüt der sich auf solchen Lichttrassen sehr wohl fühlt, ist aber nicht so schön.
00:07:40: Weil wir sagen, wir wollen mehr Artenvielfalt haben und wenn sich die Traubenkirche jetzt flächig ausbreitet, dann haben wir wieder nur eine Art hier.
00:07:47: Und das wollen wir nicht.
00:07:49: Wir wollen also die Artenpfeilfalt unterstützen und deswegen ... Wollen wir es mit der Beweidung versuchen wegzubekommen?
00:07:56: Also unser Ansatz ist ja, wir müssen die Trassen frei halten damit die Stromversorgung nicht gefährdet ist.
00:08:04: Was ist denn das oberste Gebot, warum müssen wir das alles unter der Trasse halten?
00:08:09: Gibt es eine Abstandsregelung zu Bäumen und Erde
00:08:12: usw.?
00:08:14: Ja.
00:08:14: Es gibt mehrere Dien-Normen, die uns diese Vorgaben machen.
00:08:19: Zum einen gibt es technische Mindestabstände, die wir einhalten müssen.
00:08:23: Und dann gibt's aber auch Arbeitssicherheitstechnische, Sicherheitsabstände.
00:08:26: Die wollen wir ebenfalls einhalten, weil mit unserem Gib Acht-Projekt ... Das ist ein
00:08:33: internes Sicherheitsprojekt.
00:08:36: Und das ist dann auch wichtig, dass wir den Arbeitsschutz mit bedenken und da sind die Abstände noch mal etwas größer.
00:08:44: Wir gucken schon die Bäume an ...
00:08:47: Aber der Abstand zu den Bäumen?
00:08:49: Kann das im schlimmsten Fall passieren wie jetzt, totale Trockenheit, Hitze?
00:08:54: Kann es im schlimmste Fall passieren, Sein Überschlag gibt zwischen den Stromleitungen und Bäumen, dass dann Waldbrand ausgelöst wird.
00:09:01: Ist das sozusagen das höchste Risiko, was es da gibt?
00:09:03: Genau, das wäre das höchwste Risikon.
00:09:06: Das ist auch schon vorgekommen, dass es so Überschläge auf Bäume gegeben hat ... Und dadurch passiert, dass ein Baum abbrennt.
00:09:14: In der Regel lösen wir aber damit keinen richtigen flächigen Waldbrandaus bisher nicht.
00:09:20: Also ich hab das noch nicht bei uns davon gehört, dass er sowas gegeben hat.
00:09:25: Videos aus den USA, wo man das sieht.
00:09:29: Wenn dann in Verbindung mit Sturm ... Dann sind die Leitungen dagegen die Bäume fast geschlagen und dann hat er so Waldbrenner da ausgelöst.
00:09:35: Also sozusagen unser oberstes Gebot, dem Bewuchs so klein zu halten, dass eben keinen Stromüberschlag
00:09:42: gehen kann?
00:09:42: Genau.
00:09:43: Der sichere Strombetrieb weiterhin gewährleistet bleibt.
00:09:46: Und welche Bäume sind denn so, dass die tatsächlich immer zu einer Gefährdung führen könnten?
00:09:51: Dass sie besonders schnell wachsen und dann immer wieder beschnitten werden müssen.
00:09:55: Genau wie du sagst.
00:09:57: Schnellwachsende Bäume und z.B.
00:09:58: diese Traubenkirche, die sind extrem schnell in ihrem Wachstum ... Die können im Jahr zwei, drei Meter schnell wachen.
00:10:06: Gerade bei dieser Leitung haben wir wenig Bodenabstand.
00:10:09: also den Normbereich halten wir hier total ein.
00:10:14: Aber dadurch, dass wir hier eher geringer sind im Bodenabstand die neuen Freileitung und werden ja alle schon ein bisschen höher gebaut.
00:10:22: Müssen wir hier dann auch regelmäßig oder haben wir früher regelmäßig hier auch freischneiden müssen?
00:10:27: Jetzt ist ja so viele Freileitungen gehen über Wiesen- und Felder landwirtschaftlich genutze Flächen.
00:10:33: Dort ist das nicht so ein Problem weil da drunter Ecker sind.
00:10:36: Genau!
00:10:37: Die haben ja auch nicht so riesengroße Höhen.
00:10:40: Da kümmert sich der Eigentümer der Fläche darum, dass das alles wieder abgemäht wird oder geernstet wird.
00:10:48: Da haben wir das Problem in der Regel nicht.
00:10:50: Das heißt dieses ökologische Trassenmanagement ist in erster Linie eine Sache für Streckenabschnitte die durch Wälder
00:10:57: führen?
00:10:58: Genau dafür ist es ein sehr gutes probates Mittel.
00:11:01: Und dieser Wald, in dem wir uns hier befinden, Privatwald, oder ist das ein Stadtwald?
00:11:10: Genau.
00:11:11: Dieser Bereich gehört der Stadt Altlandsberg und ist dann in der Verwaltung des Stadtforstes.
00:11:19: Das ist sehr gut gewesen, weil wir haben hier nur den einen Eigentümer gehabt mit dem wir uns über das Projekt erhalten haben.
00:11:28: Die Stadt war total begeistert als wir mit der Idee um die Ecke kamen.
00:11:32: Die Hüttehunde freut mich übrigens gerade, Herrchen kommt, der Schäfer ist gerade angefahren.
00:11:40: Schönen guten Morgen!
00:11:42: Moin!
00:11:45: So jetzt sind sie wieder ruhig geworden.
00:11:47: Also das heißt ja eben wir als Fünfzig-Herz sind ja nur der Betreiber der Infrastruktur.
00:11:52: Genau.
00:11:52: Die Flächen
00:11:53: gehören jemandem anderes.
00:11:55: Ja
00:11:56: und das heißt wir müssen uns mit denen dann immer arrangieren.
00:11:58: wie machen wir das?
00:11:59: Dass wir da ... Könnte ich einfach sagen morgen kommen wir um hier zu beschneiden sondern...
00:12:04: Genau.
00:12:05: Wir schreiben die Eigentümer jedes Mal an, dass wir mit der Trassenfreiheit kommen müssen in den bestimmten Bereichen.
00:12:15: Und dann wird das direkt abgestimmt.
00:12:18: Was gemacht werden muss und wann?
00:12:20: Du bist ja von Anfang an bei diesem Projekt dabei und weißt auch noch, wie das hier früher aussah.
00:12:25: Dieses Thema ökologisches Trassenmanagement ist nicht so sehr alt.
00:12:29: Das hat eben ein Prozess des Umdenkens gegeben.
00:12:33: Wie hat man das denn früher gemacht, gerade im Streckenabschnitt?
00:12:37: Wie wurde da einfach so eine Trasse freigehalten von Bewuchs, den man nicht haben will?
00:12:42: Na in der Regel war es so ... dass wir die Pflanzen solange haben wachsen lassen bis diese Mindestabstand unterschritten wird.
00:12:51: Und dann ist es schon so gewesen, dass wir an vielen Stellen einmal eine komplette Freimachung der Trasse gemacht
00:12:59: haben.
00:13:00: Mit
00:13:00: schwererem Gerät auch.
00:13:01: Genau.
00:13:03: Das wollen aber nicht
00:13:04: mehr.
00:13:05: Danach wurde das dann ... sich selber überlassen, oder wurde es dann gemulcht?
00:13:09: Oder was ist da passiert auf dem Fall?
00:13:12: Früher
00:13:12: haben wir diese Flächen gemulst.
00:13:14: Das heißt, wir hatten keinen Bewuchs mehr auf der Fläche und die Fläche wurde wieder selbst überlassen bis wieder ein kritischer Zeitpunkt erreicht wurde.
00:13:22: Dann ist man wieder gekommen mit dem und hat das wieder freigemacht.
00:13:27: Und das war an dieser Ecke besonders schlimm, weil wir hier wie gesagt diese niedrigen Bodenabstände haben ... Wir waren aber auch an anderen Stellen schon ökologisch unterwegs.
00:13:41: Also man kann das jetzt nicht
00:13:41: ... Wo man dann einzeln, nicht sozusagen mit einem großen Rasenmäher durchgegangen ist?
00:13:46: Wo es sich dann auch schon gelohnt hat, Einzelmaßnahmen durchzuführen.
00:13:50: Das heißt, einzelne Bäume rauszunehmen und da reinzugehen abzusetzen.
00:13:54: Ja!
00:13:55: Und hier sind jetzt aber nun, deswegen sind wir hier draußen diese Tiere im Einsatz.
00:14:00: Wie kann man auf die Idee diesen Job durch die Tiere erledigen zu lassen und nicht durch Menschen?
00:14:07: Ja, wir hatten damals auch eine Machbarkeitsstudie gemacht.
00:14:11: Was denn sinnvoll wäre, eine ökologische Trassenbewirtschaftung durchzuführen?
00:14:16: Und da war ein Vorschlag natürlich auch so eine Beweidung mit Schafen und Ziegen zu machen.
00:14:23: In der damaligen Abstimmung mit der Stadt und auch der unteren Naturschutzbehörde, die fanden natürlich die Idee mit der Beweitung richtig toll.
00:14:31: Dann haben wir versucht alles Mögliche hier in Bewegung zu setzen Und haben dann auch schlussendlich mit dem Herrn Kutznick einen guten Trassenbewirtschafter gefunden.
00:14:41: Das heißt, glückliche Zufall?
00:14:42: Hier gab's ein Schäfer ...
00:14:45: Genau!
00:14:45: Ein regionaler Schäver, den man sich hier dafür binden konnte.
00:14:48: Ja, okay.
00:14:51: Wie funktionierten das jetzt genau mit dieser Bewirtschaftung oder Beweidung mit den Schafen?
00:14:57: Sind die ständig hier draußen?
00:14:58: Gibt es da so Zyklen?
00:14:59: Ähm... Haben die über die ganze Trasse oder geht das so langsam voran?
00:15:05: Wie muss man sich das vorstellen.
00:15:08: Grundsätzlich beweiden wir diese Fläche, das sind ungefähr zwölf Hektar hier in Altlandsberg, zweimal.
00:15:15: Das heißt, wir fangen am Anfang ein Bruchmühle mit den Schafen an und dann wären sie im Prinzip in eine Umtriebsweide mit mobilen Zäuen.
00:15:27: Das sind ungefähr immer fünftausend Quadratmeter, die man da einzäunt.
00:15:30: Also wenn man jetzt hier guckt ... Da sind auch ein paar Hundert Meter haben.
00:15:34: Die sind alle auf einem Fleck im Schatten.
00:15:36: Aber sie hätten schon noch reichlich Auslauf in die eine Richtung?
00:15:39: Ja.
00:15:40: Ungefähr fünftaussend Quadrattmeter.
00:15:42: und wenn die das alles abgefressen haben so wie es jetzt aussieht wird das dann umgekoppelt.
00:15:47: Dann werden die Zäulen neu gesteckt.
00:15:51: Der abgefressene Bereich wird freigegeben.
00:15:56: Also, das sieht jetzt auch schon hier ziemlich abgefressen aus.
00:15:59: Ist es auch Sinn der Sache, dass Sie hier wirklich alles abfressen?
00:16:03: Ja, das ist erst mal Sinn der Sachen, weil wir wollen ja die Traubenkirche auch beseitigen
00:16:07: und
00:16:07: zurückdrängen ... Und das kriegt man natürlich dann am Ende gut hin mit so einer Ziegenbeweidung.
00:16:14: Mhm.
00:16:16: Aber ist es alles weg?
00:16:17: Jetzt die Frage was ist daran, dass Ökologische wenn nichts mehr übrigbleibt?
00:16:22: Das Ökologe ist am Ende daran Zum einen die Kräser und Kräuter dadurch gefördert werden, wenn wir die Gehölze runterbeißen lassen.
00:16:33: Und zum anderen bringen die Schafe ganz oft auch andere Samen von anderen Flächen mit.
00:16:39: Das wird fallen, das fällt dann hier ab und zu so runter.
00:16:41: Dadurch entwickelt sich Pül-Apul eine Artenvielfalt ... Das passiert natürlich nicht davon heute auf morgen.
00:16:49: So einer offenen Landschaft ist.
00:16:50: das braucht Zeit.
00:16:52: über viele Jahre.
00:16:53: Wie gesagt, wir sind jetzt fünf Jahre hier auf der Fläche.
00:16:56: Dafür hat sich die Fläche schon sehr gut entwickelt.
00:16:58: Wir haben viele Bereiche, die mit Kräuter und Wildstaunen bzw.
00:17:02: Gräsern bestanden ist ... Es ist noch ein Weg?
00:17:06: Aber wir sind auf einem guten Weg!
00:17:08: Okay.
00:17:09: Und welche Auswirkungen hat das auch im Hinblick auf Artenvielfalt, Insekten, die hier leben?
00:17:16: Gibt's da ... Untersuchungen dazu, wird das irgendwie erfasst zusammen mit Naturschutzverbänden oder anderen Instituten?
00:17:23: Bisher haben wir das jetzt noch nicht erfassen lassen hier auf der Fläche.
00:17:28: Weil wir ja auch in einem sehr jungen Stadium sind.
00:17:32: Aber das schwebt mir schon mal vor, dass wir hier auf dieser Fläche dann schauen, was hat sich entwickelt ... aber es ist schon so, ne?
00:17:39: Vorher haben wir einen Waldgebüsch ... Da hat man natürlich nicht ganz so viele Blüten oder Nektar für Insekten.
00:17:49: Und jetzt haben wir hier eine Offenlandschaft, und da fliegt zum Beispiel eine Liebhelle.
00:17:55: Wir haben schon eine Heuschrecke gesehen in der Hand gehabt und Schmetterlinge beobachtet.
00:17:59: Die kommen nur wenn kein Gebirsch da ist.
00:18:03: Wenn die Schafe ... Wie heißt das?
00:18:06: Umgeweidert werden?
00:18:07: Also, wie lange dauert das bis dann sich dann ... Pflanzen nachwachsen und das hier dann anders aussieht als jetzt, also ein bisschen.
00:18:17: Das geht in der Regel relativ schnell.
00:18:21: Ich kann es auch nicht genau beziffern aber ich denke innerhalb eines Monats ist das schon wieder cool.
00:18:27: Sieht
00:18:27: sich anders aus?
00:18:28: Wie oft kommt die Schafe hier raus?
00:18:31: Zwei Mal im Jahr!
00:18:32: Und wie gesagt wir fangen einmal von Bruchmühle an gehen bis hier hinter an die Kleingartensiedlung Und dann wird im Prinzip wieder von vorne angefangen.
00:18:44: Also, der erste Beweidegang ist jetzt hier so im Juni-Juli und der zweite Weidegang in September oder Oktober?
00:18:52: Mhm.
00:18:53: Genau!
00:18:53: Im Winter wächst sowieso nichts.
00:18:55: Im Winter
00:18:55: wext nichts ... Dann geht's im nächsten Frühjahrwetter.
00:18:58: Ja.
00:18:59: Wenn ... Seht ihr ja hier, der Schäfer bezeugt sein Mitarbeiter, der steckt schon den neuen Zaun ab, jetzt in die Janne Richtung auch wieder ein paar Hundert Meter.
00:19:09: Wenn die Schafe da jetzt rüberziehen, wie lange dauert das?
00:19:12: Bis sie alles da drüben dann runtergefressen haben.
00:19:17: Ich würde sagen, vierzehn Tage bis ... einen Monat hier nachdem, wie die Fläche so bestockt ist.
00:19:22: Das ist keine große Fläche.
00:19:24: Ich würd sagen, das dauert nicht so lange.
00:19:28: Und die fressen auch ... Wie heißen die Kirschen?
00:19:30: Die Traubenkirsche.
00:19:30: Traubenkirche, die fessen die weg.
00:19:33: ja
00:19:34: oder gibt's bestimmte Sachen, die die nicht essen?
00:19:37: Ja, die Schafel ... Mögen diese Traubenkirche jetzt nicht so besonders.
00:19:41: Wenn da junge Triebe rausgekommen sind, also frische Blätter, dann hat die Traubenkirsche noch nicht sehr viele Blausäure ... Aber je mehr oder je älter sie wird, desto mehr Blausaure hat sie in den Blättern.
00:19:53: und das mögen nur noch die Ziegen.
00:19:55: Deswegen haben wir hier auch Ziegen mit dabei.
00:19:58: Die verbeißen dann auch die restlichen Traubekirchen
00:20:02: bis
00:20:03: auf den Holzstängel.
00:20:05: Irgendwann ist unsere Hoffnung, gibt die Traubenkirche auf.
00:20:10: Der Sieg über die Traubenkirche?
00:20:11: Genau!
00:20:14: Wir stehen an der Stromleitung und spüren nichts.
00:20:17: Keine elektromagnetischen Felder.
00:20:20: Spüren die Schafe das denn?
00:20:22: Ich würde sagen, ich spüre auch nichts.
00:20:24: Die liegen so entspannt da ...
00:20:26: Das Nackenfeld steht Ihnen nicht zu berge, wenn sie unter der Leitung langlaufen.
00:20:32: Das ist ja ... ich will nicht sagen Pilotprojektor.
00:20:34: Du hast gesagt, das machen wir schon fünf Jahre hier an der Stelle?
00:20:37: Aber es ist ja nicht der einzige Ort.
00:20:40: Wo haben wir dann noch?
00:20:42: ähnliche Projekte laufen auch damit scharfen Ziegen oder vielleicht mit anderen Tierarten?
00:20:47: Genau, wir haben schon mehrere Projekten damit.
00:20:52: Zum Beispiel in Belitz haben wir nochmal so ein Projekt da.
00:20:55: Da haben wir sogar richtig unter der Primisse den Brandschutz zu unterstützen.
00:21:00: Ein Projekt!
00:21:01: Dann haben wir auch in Sachsen einige Projekte, die scharfe unter Strom sozusagen.
00:21:07: Wir haben auch einige Ausgleichsmaßnahmen
00:21:09: ... Genau so wenn ich die Strom zum Anfassen schaffe unter Strom?
00:21:12: Wir setzen ihn nicht unter Strom!
00:21:14: So heißt das Projekt genau.
00:21:17: Und dann haben wir tatsächlich auch einige ausgleichseuntersatzmaßnahme, die schon mit Beweilungen zu tun haben, auch unter der Trasse und wir haben auch zwei ... Wenn ich mich jetzt recht entsinne, zwei Rinderprojekte.
00:21:30: Einmal im Malfooler Fenn und einmal auch im Erzettost.
00:21:35: Regionalzentrum Ost, da unten in Sachsen ...
00:21:39: Sachsen-Südliches Brandenburg?
00:21:41: Lausitsteile der Lausitz gehören dazu.
00:21:43: Und was können Rinder, was Schafe und Ziege nicht können?
00:21:49: Nichts anderes eigentlich!
00:21:50: Also, Rinder sind sogar eher noch ein bisschen spezieller weil man sie nicht so umkoppeln kann.
00:21:55: Die bleiben dann eher an einer Stelle und brauchen auch einen anderen festen Zaun.
00:22:01: Und was wir erinnern eher so ein bisschen ist, die brauchen mehr diese Gräserlandschaften und haben nicht diesen ... Gehölzverbisswunsch, glaube ich.
00:22:15: Deswegen ist das nur an speziellen Orten möglich.
00:22:19: Schafe und Ziegen sind da schon eher robuster.
00:22:23: Jetzt gibt es ja auch Stromleitungen, durchs Gebirge führen.
00:22:28: Wir leben ja nicht in den Alpen, aber immerhin in Thüringer Wald gibt es.
00:22:32: Der ist auch ganz schön bergig.
00:22:36: Bietet sich das für solche Trassen an?
00:22:38: Oder ist das schon fast so Hochgebirge da?
00:22:41: Kann man jetzt mit Tieren und Schafe nicht so arbeiten?
00:22:46: Also ... soweit ich weiß, haben wir bisher noch kein Projekt, was in diese Richtung ausgeht.
00:22:52: Es ist eben doch immer sehr schwierig in solchen Hanglagen zu arbeiten und dann müssen auch die regionalen Partner da sein.
00:23:00: Sicherlich ist es möglich, man sieht's ja in den Alpen auch, das funktioniert garantiert aber ...
00:23:05: Wir
00:23:05: haben bisher noch keine Projekte dafür.
00:23:08: Ist es schwierig so Schäfer heutzutage zu finden überhaupt für so Flächen?
00:23:13: Das ist jetzt nicht so ein Beruf der so boomt,
00:23:15: ne?
00:23:16: Nee, das ist richtig!
00:23:17: Und wir haben hier im Alt-Landsberg wirklich das Glück, dass wir einen Schäver so gefunden haben.
00:23:24: Es gibt zwar mehrere Schäfereien Die Frage ist immer nur, wie viele Tiere können sich stellen.
00:23:30: Weil auf solchen großen Flächen, wie wir sie haben hier unter der Freileitung kann man mit einer größeren Herde was erreichen?
00:23:38: Also das ist natürlich dieses Modell dann auch limitiert.
00:23:42: Das kann man nicht so großflächig ausrollen.
00:23:44: Da müsste man ja auch viele Schäfer finden, die das entsprechend übernehmen.
00:23:50: Du hast eben einen Stichwort genannt Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen.
00:23:54: Das ist noch ein bisschen erklärungsbedürftig.
00:23:57: Was bedeutet das?
00:23:59: Also wenn wir Freileitungen bauen, Umspannwerke bauen, dann haben wir in der Regel einen Eingriff in die Natur und Landschaft.
00:24:09: Und nach Bundesnaturschutzgesetz muss so ein Einggriff ausgeglichen werden beziehungsweise kompensiert werden.
00:24:15: In einigen Projekten hat sich das eben angeboten auf diesen Trassen solche Beweidungsmaßnahmen als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme richtig zu etablieren.
00:24:26: Okay, das wird dann sozusagen anerkannt.
00:24:28: Das wird anerkant von der Behörde.
00:24:30: Da gibt's einen richtigen Stempel drauf.
00:24:32: Das müssen wir dann allerdings auch für viele Jahre weiterführen.
00:24:37: Das können wir mit diesem Pilotprojekt nicht vergleichen.
00:24:39: Das ist eine Auflage aus der Genehmigung so zu sagen.
00:24:45: und ja aber wenn wir durch so ne Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme Positives für die Natur machen können ...
00:24:52: Aber diese Ausgachsmaßnahmen muss da nicht unbedingt an dem Ort stattfinden, wo der Eingriff stattgefunden hat.
00:24:57: Also wenn ein neues Umspannwerk wird gebaut ... Es werden Ausgleichs- oder Kompensationsmaßnahmen erforderlich.
00:25:05: Da müssen die Schafe nicht durchs Umspannenwerk laufen?
00:25:07: Das ist richtig!
00:25:08: Die können dann auch da ... Wo es sinnvoll ist natürlich hingestellt werden.
00:25:14: Und Kompensationmaßnahme heißt was?
00:25:17: Als Ausgleichtmaßname ist diese ... Aber was sind die Kompassionsmaßnahme?
00:25:22: Eine Kompassationsmaßnahme wäre zum Beispiel die Pflanzung einer Baumreihe oder eine Hecke an anderen Orten.
00:25:30: Nicht direkt am Umspannwerk
00:25:32: z.B.,
00:25:33: nicht unter der Trasse ...
00:25:35: Oder ich hab auch Streu-Obswiesen, die wir dann ermöglichen?
00:25:41: Die Pflanzen wird teilweise neu.
00:25:43: Manchmal geht's darum, dass man ... mit Eigentümern so Absprachen trifft, wo Pflegeverträge abgeschlossen werden zum Beispiel.
00:25:51: Dass die Eigentömer weiterhin ihre Streuswiese pflegen können und wir sozusagen das Geld dafür bereitstellen.
00:25:59: Okay ja na vielen.
00:26:01: vielen Dank für das Gespräch hier draußen.
00:26:03: es ist immer noch einigermaßen kühl hier im Schatten.
00:26:08: Das war's für heute.
00:26:09: bis zum nächsten Mal Strom zum Anfassen.
00:26:12: Schlusswort haben heute natürlich auch die Schafe
00:26:27: und
00:26:31: Ziegen.
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