Woher kommt das Geld für den Netzausbau?

Shownotes

Geld und Strom. Beides hängt zusammen. Der Betrieb und vor allem der Ausbau der Stromnetze kosten mehrere hundert Milliarden Euro in den kommenden 20 Jahren. Dieses Geld wird bei uns allen eingesammelt, bei den Stromkunden. Und zwar über die sogenannten Netznutzungsentgelte.

Darum geht es in dieser Folge mit Eileen Hügle, Leiterin Treasury bei 50Hertz, und Annegret Dünnwald, Teamleiterin Verfahrensregulierung.

Die Finanzierung des Netzausbaus beruht im Wesentlichen auf zwei Säulen: den regulierten Netzentgelten, die durch die sogenannten Anreizregulierungssysteme bestimmt werden, und der Aufnahme von Kapital an den Finanzmärkten.

Grundsätzlich tragen die Stromkundinnen und -kunden die Kosten des Netzausbaus. Über die monatlichen Netzentgelte, die jeder Haushalt oder jedes Unternehmen auf seiner Stromrechnung sieht, werden kontinuierlich Mittel für Betrieb, Wartung und Ausbau der Netzinfrastruktur aufgebracht. Diese Entgelte sind jedoch strikt reguliert, um einen fairen Ausgleich zwischen Investitionsbedarf, Preisstabilität und Anreiz zu effizientem Wirtschaften für die Betreiber zu schaffen.

Genau an dieser Stelle kommt die Anreizregulierung ins Spiel. In Deutschland legt die Bundesnetzagentur bestimmte Regeln fest, wie viel die Netzbetreiber für ihre Investitionen und laufenden Aufwendungen verlangen dürfen. Die zugelassenen Erlöse orientieren sich dabei an verschiedenen Faktoren: Zum Beispiel an den tatsächlich entstandenen Kosten vergangener Jahre, an der erwarteten Effizienzsteigerung und vor allem an einer festgelegten Eigenkapitalverzinsung. Diese Eigenkapitalverzinsung spielt eine große Rolle, denn sie ist ein entscheidender Anreiz für Netzbetreiber zu investieren. Wenn die Verzinsung attraktiv ist, werden mehr Investitionen getätigt, gleichzeitig aber dürfen die Kosten für die Stromkunden nicht ausufern.

In der Praxis bedeutet das: Der Netzbetreiber reicht einen Investitionsplan bei der Regulierungsbehörde ein. Die Behörde prüft diesen und legt fest, in welchem Umfang die Kosten über zukünftige Netzentgelte refinanziert werden dürfen. Dabei werden auch Effizienzkriterien angewendet – Netzbetreiber, die besonders sparsam und wirkungsvoll arbeiten, profitieren von zusätzlichen Erlösen. Andererseits sollen Geschäftsmodelle, die nur auf möglichst hohe Netzentgelte setzen, gebremst werden, damit der Wettbewerb nicht verzerrt wird und die Preise für die Netznutzung im Rahmen bleiben.

Da der Netzausbau enorme Summen verschlingt, reicht das über die Jahre eingenommene Geld aus den Netzentgelten nicht aus, um alle Maßnahmen vorzufinanzieren. Hier schlägt die Stunde des Kapitalmarkts: Netzbetreiber nehmen Kredite auf oder geben Anleihen aus, um die notwendigen Finanzmittel bereitzustellen. Die Zinsen, die für diese Finanzierungen aufzubringen sind, werden ebenso von der Regulierungsbehörde berücksichtigt, sodass die Finanzierungskosten nicht zum Risiko für das Investitionsvorhaben werden.

Allerdings ist das Zusammenspiel zwischen Regulierungsrahmen und Kapitalmarkt nicht vollkommen reibungslos. Wird der zugelassene Zinssatz für das eingesetzte Kapital zu niedrig bemessen, besteht die Gefahr, dass Netzbetreiber weniger investieren, weil die Finanzierung über Fremd- oder Eigenkapital im internationalen Vergleich unattraktiv ist. Im Umkehrschluss können zu hohe Zinssätze zu überhöhten Netzentgelten führen. Deshalb wird der Eigenkapitalzinssatz regelmäßig überprüft und an die Kapitalmarktsituation angepasst, damit der Netzausbau finanziell tragbar bleibt und die Versorgungssicherheit auch künftigen Herausforderungen standhält.

Mehr zum Thema Anreizregulierung hier:

Bundesnetzagentur - Anreizregulierung

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Der Podcast „Strom zum Anfassen“ ist eine Produktion der Klangkantine Studios im Auftrag von 50Hertz.    

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